Motorrad Schwingenlager tauschen – KTM, Husqvarna, Husaberg

Husabgerg Fe 450

Dieses mal möchte ich erklären, wie du die Schwingenlager an deinem Motorrad einfach selbst tauschen kannst. Ich weiß, dass das im ersten Moment sehr kompliziert klingt, ist es aber eigentlich gar nicht. Ich nehme hierzu die Schwinge einer Husaberg Fe 450 von 2009, das Vorgehen lässt sich aber auf alle Maschinen übertragen. Besonders bei den neueren Maschinen von KTM (Husqvarna und Husaberg gehören auch zu KTM) ist es, zumindest laut dem Handbuch, ganz normal die Schwingenlager alle Jahre zu tauschen. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass allein der Lagersatz um die 60€ kostet, möchte ich gar nicht wissen, was diese Arbeit in der Werkstatt kostet. Schätzen würde ich, wenn die Schwinge ausgebaut ist, ungefähr 150-200€ inkl. Material, wenn die Werkstatt das Motorrad zerlegt eher so 300-400€. Eventuell liege ich hier auch völlig falsch, aber ich sehe hier trotzdem das Potenzial zu sparen und etwas zu lernen.

Woher weiß ich, dass ich neue Lager benötige?

So richtig wissen kann man eigentlich nicht, wenn die Lager kaputt sind. Wenn der Schaden sehr groß ist, kann man das Spiel beim Wackeln an der Schwinge spüren. Meist ist das aber nicht der Fall. Leider ist die einzige Option die Schwinge zu demontieren und die Lager zu inspizieren. Nachdem es sehr aufwändig ist, die Schwinge auszubauen, würde ich empfehlen, die Lager im Zuge anderer Arbeiten zu kontrollieren, wenn das Motorrad schon teilweise zerlget ist. Generell denke ich, dass so ein Lagersatz in einer mondernen KTM ungefähr 5 Jahre hält, spätestens nach dieser Zeit würde ich die Lager kontrollieren. Ob die Lager schlecht sind oder nicht kann an mehreren Indizien fest gemacht werden. Wenn die Simmerringe, das sind die Dichtringe, hart, gerissen oder sogar richtig kaputt sind, kannst du davon ausgehen, dass Wasser in die Lager gekommen ist. Ist das der Fall, sind die Lager wahrscheinlich gerostet. Dann müssen sie getauscht werden. Weiterhin ist Spiel zwischen den Hülsen und den Lagern ein Zeichen dafür, dass die Lager verschlissen sind. Auch hier sollten die Lager getauscht werden. Wenn nur die Simmerringe defekt sind, die Lager aber nicht, könnte es trotzdem Sinn machen die Lager auch zu tauschen. Eventuell gibt es die Simmerringe nämlich nicht einzeln zu kaufen oder diese sind so teuer, dass du auch den ganzen Lagersatz kaufen kannst.

Was benötige ich alles?

Set Lagereintreiber

Wie tausche ich die Lager?

Ich gehe an dieser Stelle davon aus, dass die Schwinge schon ausgebaut ist und die Hülsen und Simmerringe entfernt sind. Wenn du es dir zutraust, die Schwingenlager selbst zu tauschen, sollte das kein Problem für dich darstellen. Zuerst ist es wichtig, dass die Lagersitze schön sauber sind. Die Lager haben einen sehr genauen Sitz in der Schwinge und wenn wir die Lager entfernen möchten, sollte auf dem Weg nach draußen nichts im Weg sein. Ich empfehle dir hier zuerst das alte Fett zu entfernen, dann alles mit Bremsenreiniger zu säubern, evtl. den Sitz mit einem Schleif-/Polieraufsatz für einen Dremel zu glätten (nichts aggresives, es sollen nur kleine Unebenheiten geglättet werden) und dann nochmal alles zu reinigen. Ich finde es auch immer sehr hilfreich, die Lager dann 2-4 Tage lang jeden Tag mit Rostlöser zu besprühen. Das hilft im besten Fall um Korrosion zu lösen.

Wenn du das alles erledigt hast, erhitzt du das Ende der Schwinge mit dem Bunsenbrenner gründlich, es gibt hierbei eigentlich kein zu heiß. Als nächstes nimmst du den größten passenden Lageraustreiber und schlägst die Lager mit einem Hammer aus der Schwinge. Diese Prozedur widerholst du für die andere Seite der Schwinge und schon sind die Lager aus der Schwinge entfernt. Wenn die Lager sich nicht austreiben lassen kann es helfen die entsprechende Stelle mehrmals zu erhitzen und wieder abkühlen zu lassen. Wenn du trotz alledem die Lager nicht entfernen kannt, gibt es immernoch zwei Möglichkeiten. Die erste ist, du sucht dir jmd. der eine Presse besitzt und presst die Lager aus. Die zweite wäre die Lager aufzuschleifen. Hierbei nimmst du einen Dremel mit grobem Schleifkopf und schleifst die Lagerschale so lange, bis sie der Länge nach offen ist. Dann kannst du das Lager mit einem Schraubendreher entfernen. Ich würde diese Methode aber wirklich nur als letzte Option empfehlen.

Jetzt widmen wir uns der Vorbereitung für das Einsetzen der neuen Lager. Der erste Schritt ist die neuen Lager in die Gefriertruhe zu legen. Durch das Gefrieren zieht sich das Metall etwas zusammen und der Einbau wir leichter. Die Lager müssen aber wirklich komplett heruntergekühlt sein, der Effekt ist ohnehin schon gering und wenn die Lager nicht maximal kalt sind wird er noch kleiner. Deshalb empfehle ich die Lager mindestens 12h in der Gefriertruhe zu lassen. Als nächstes solltest du die Lagersitze in der Schwinge begutachten. In jedem Fall ist es sinnvoll diese nochmal ausgiebig zu reinigen und je nach Zusand ist es auch empfehlenswert, nochmals die Sitze zu polieren. Vor allem wenn sich im Lagersitz sichtbare und spürbare Unebenheiten oder Korrosion feststellen lassen solltest du den Sitz dementsprechend bearbeiten. Es ist hierbei aber unglaublich wichtig nicht mit aggresiven Mitteln oder Schleifpapieren zu arbeiten. Wir wollen nur die Oberfläche glätten, um die Lager leichter eintreiben zu können, nicht den Lagersitz aufweiten. Wenn das passiert halten die Lager nicht mehr und du benötigst eine neue Schwinge. Ich empfehle, dass du mit einer sehr schwachen Politur anfängst und dann darauf achtest wie effektiv das Ganze ist. Ensprechend dem Ergebnis kannst du alles mit dieser schwachen Politur bearbeiten oder die wählst eine aggresivere Stufe, um schneller voranzukommen. Ganz wichtig: Falls dein Lagersitz nach dem Entfernen der Lager einwandfrei ist solltest du ihn einfach so lassen und nicht weiter bearbeiten.

Kommen wir nun zu der Montage der neuen Lager. Bevor du irgendetwas machst solltest du dir im Klaren sein was du alles in welcher Reihenfolge einbaust. Das Was ist schnell geklärt: Alle Teile aus dem Lagersatz. Im Falle meiner Husaberg Fe 450 (gleiche Schwinge wie KTM EXC) sind das vier Lager, vier Simmerringe, vier Anlaufscheiben, zwei Hülsen und vier Hülsendeckel. Als nächstes zu Reihenfolge: Hier kannst du dich gut an der Reihenfolge der Demontage orientieren, umgekehrt versteht sich, oder du schaust im Handbuch oder auf Explosionszeichnungen nach. In meinem Fall wäre das zuerst die Lager, dann die Anlaufscheiben, dann die Simmerringe, dann die beiden Hülsen und zum Schluss die Hülsendeckel. Hier stechen zwei Dige heraus die besondere Aufmerksamkeit benötigen. Die Montage der Lager und die Anlaufscheiben, welche vor den Simmerringen eingesetzt werden müssen. Bei den Lagern gibt es hier gleich mehrere kritische Punkte, zuerst muss der Lagersitz vor der Montage erhitzt werden, weiterhin solltest du vorher schon den passenden Lagereintreiber heraussuchen und das Wichtigste, da hier zwei Lager pro Seite verbaut werden, musst du dir Gedanken machen wie du die zwei Lager pro Seite eintreibst. Das Problem ist, dass es unmöglich ist beide Lager von einer Seite aus einzutreiben, dazu müsste das untere Lager von dem Oberen geschoben werden. Das funktioniert nicht, weil das untere Lager schon komplett im Lagersitz ist, bevor das andere überhaupt angesetzt ist, in dieser Zeit heizt sich das untere schon so stark auf, dass es nicht mehr bewegt werden kann, zusätzlich ist die Reibung von zwei Lagern höher als die Kraft, die du auf das obere Lager auswirken kannst und dann wir das Obere beschädigt. Die Konsequenz ist also, dass das eine Lager von der Innenseite und das andere von der Außenseite aus eingetrieben werden muss. Das ist kein großes Problem, mit einem entprechend lamgen Stiel am Lagereintreiber ist die Montage komfortabel möglich, allerdings ist es sehr frustriend wenn du darüber vorher nicht nachgedacht hast und dann ein Lager zerstörst. Der zweite Punkt war die Montage der Anlaufscheiben, diese müssen vor den Simmerringen eingesetzt werden. Das stellt kein Problem dar, du musst nur beim Zusammenbau unbedingt darauf achten, sonst hast du am Ende die Scheiben über und du musst die Simmerringe nochmals demontieren um den Fehler zu berichtigen. Ich habe diese Überlegungen jetzt exemplarisch für eine Husaberg Fe 450 durchgegangen, jede Schwinge hat eine andere Lagerkonstruktion, es handelt sich hierbei also um keine Schritt für Schritt Anleitung.

Nachdem du dir Gedanken über dein Vorgehen gemacht hast, kannst du alles Werkzeug bereitlegen und damit beginnen den ersten Lagersitz zu erhitzen. Sobald die Schwinge heiß ist, auch hier gilt: zu heiß gibt es nicht, nimmst du das erste Lager zur Hand. Für das Eintreiben, solange das Lager über die Schwinge heraussteht, empfehle ich, dass du einen größeren Eintreiber verwendest, das minimiert das Risiko, das Lager zu beschädigen. Bei den ersten Schlägen musst du akribisch auf eine korrekte Ausrichtung des Lagers im Verhältnis zum Sitz achten, sobald das Lager zu 1/4 oder mehr im Sitz steckt musst du dir darüber keine Gedanken mehr machen. Wenn das Lager so weit im Sitz ist, dass der größere Eintreiber nicht mehr weiter kommt, da er über das Lager hinaussteht, nimmst du den passenden Eintreiber zur Hand und verwendest diesen bis das Lager am richtigen Ort sitzt. Das wiederholst du jetzt bis alle Lager ordentlich sitzen. Wenn du das geschafft hast, hast du den schwierigsten Teil auch schon hinter dir. Als nächstes sind die Simmerringe dran, für diese würde ich empfehlen, den größten verfügbaren Eintreiber zu verwenden. Die Simmerringe sollten nur soweit eingetrieben werden, dass sie flach mit dem Ende des Lagersitzes abschließen. In meinem Fall wurden vor den Simmerringen noch die Anlaufscheiben verbaut.

Husaberg Fe 450 Schwinge mit neuen Lagern

Die restlichen Arbeiten lassen sich normalerweise völlig ohne Werkzeug durchführen. Du fettest die Lager ordentlich und baust dann die restlichen Teile, entsprechend der Reihenfolge, ein. Und fertig ist die neu gelagerte Schwinge 🙂

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